»Während eines Sommers«
Novelle 2026 von Hans Regensburger
Zeit und Orte der Handlung: um die 2020iger Jahre in der Oberpfalz
Seiten: 122
Textumfang: ca. 23100 Wörter
Erschienen im Spielberg Verlag, Neumarkt i.d.OPf.
ISBN: 978-3-95452-802-8
Preis: € 10,90
Stoff der Novelle:
Brams
erwirbt
nach
dem
Kehraus
einen
Stier,
der
bei
vielen
Fastnachtsumzügen
die
besondere
Freude
der
Narren
gewesen
war.
Er
findet
auf
der
Wiese
dieses
Mannes
eine
neue
Heimat.
Fortan
erfreuen
sich
an
ihm
viele
Menschen;
besonders
die
Kinder.
Am
öftesten
legen
Großväter
mit
ihren
Enkeln
bei
ihm
eine
Rast
ein.
Das
überrascht
und
beglückt
den
Stier
mit
einer
ungeahnten
Entdeckung.
Und
dieser
Sommer
des
Glücks
und
der
Freude
möge
nie
enden.
Aber
plötzlich steht alles Kopf, denn eine Überraschung jagt die andere.
Nach einer wahren Begebenheit
Leseprobe:
April – April!
Oder doch nicht?
Plötzlich
war
ich.
Ein
Durcheinander
aus
Worten
und
Lachen
drang
nach
und
nach
zu
mir.
In
diesen
Augenblicken
begann
ich
zu
denken
und
sah
vor
mir
Kinder.
Sie
waren
es,
die
da
redeten
und
lachten,
aber
auch
drängelten,
schubsten,
schimpften
und
stritten.
Die
einen
schienen
sich
an
mir
zu
erfreuen;
ihr
Staunen
und
Lächeln
sprach
Bände.
Den
anderen
glaubte
ich
anzusehen,
dass
ich
für
sie
ein
Rätsel
war.
Obwohl
auf
diesem
Bild
vor
meinen
Augen
die
Erwachsenen
unter
diesen Kleinen viel mehr Platz innehatten, nahm ich sie erst nach einer Weile wahr.
Es
war
Frühjahr,
als
ich
meiner
bewusst
wurde.
Viele
Leute
sprachen
sogar
von
einem
Bilderbuchfrühling.
Dem
folgte
ein
Sommer,
dem
nach
der
Wahrnehmung
der
Leute
das
Gleiche
zugesprochen werden konnte.
Als
ich
meiner
bewusst
geworden
war,
hätte
ich
auch
meine
Umgebung
nicht
besser
kennen
können
als
ich
sie
kannte.
Denn
sie
war
mir
so
vertraut
wie
frisch
geschlüpften
Enten
das
Schwimmen.
Ich
konnte
denken,
also
war
ich!
Es
durchdrang
und
bebilderte
nahezu
alles,
was
mich
umgab
und
darüber
hinaus.
So
als
ob
es
für
mich
nie
etwas
anderes
gegeben
hätte;
ich
der
Mühe
des
allmählichen
Erwerbs
von
Fähigkeiten
sowie
der
Erfahrung
und
des
Reifens
enthoben
wäre.
Auch
mein
Wissen
hatte
ich
weder
Lehrern
noch
Büchern
zu
verdanken.
Das
war
an
einem
warmen
und
sonnigen
Tag
im
April
mir
zugeflogen
oder
in
mir
geweckt
worden.
Aber
woher
kam
ich?
Brams,
dessen
Bauernhof
mir
seit
meiner
Bewusstwerdung
Heimat
war,
würde
mir
diese
Frage
gewiss
beantworten
können.
Mich
mit
ihm
darüber
auszutauschen,
danach
wollte
ich
fortan
streben.
Konnte
ich
doch
denken,
empfinden,
schlafen,
träumen,
lesen
und
schreiben
sowie
sehen,
hören
und
den
Menschen
von
den
Lippen
lesen,
obwohl
ich
nicht
aus
Fleisch
und
Blut
war
und
weder
Hände
noch
eine
Stimme
besaß.
Denn
ich
sei
ein
Stier,
wenn
auch
ein
ganz
besonderer,
vernahm
ich
seit
meiner
Bewusstwerdung
von
Brams
und
von
vielen
anderen
Zeitgenossen;
man
hatte
mich
gesehen
und
war
vor
mir
stehen
geblieben
oder
nähergekommen,
bevor
man
sich
wieder
auf
sein
Fahrrad
setzte
oder
in
sein
Auto
einstieg
und
weiterfuhr.
Manche
auf
dem
Fahrradweg
mochten
mich
auch
als
willkommenen
Fixpunkt
erblickt
haben,
um
kurze
Zeit
zu
rasten
oder
zu
verschnaufen.
Brams´
Enkel
sahen
vom
ersten
Augenblick
in
mir
ihren
Freund;
das
beruhte
auf
Gegenseitigkeit.
Ich
hatte
keine
Zweifel,
dass
weder
sie
noch
ich
wussten, wessen Sympathie zuerst da war.
Im
Laufe
dieses
Frühjahrs
und
Sommers
wurde
mein
Publikum
von
Woche
zu
Woche
größer,
so
dass
ich
von
kleinen
Pilgergruppen
zu
schreiben
wage.
Viele
von
ihnen
besuchten
mich
immer
wieder.
In
diesem
Zusammenhang
glaube
ich
nicht
zu
übertreiben,
eine
Fangemeinde
mein
Eigen
zu
nennen.
Was
ich
da
hörte,
übertraf
sogar
mein
Wissen
über
Tiere,
insbesondere
das
von
Rindern
aller
Art.
Demnach
schien
ich
viel
größer
zu
sein
als
die
Stiere
in
den
Stierkampfarenen
Spaniens.
Sogar
die
männlichen
Büffel
auf
den
Prärien
Nordamerikas
und
in
den
Savannen
Afrikas
überragte
ich.
Nur
die
geflügelten
Stiere
im
Louvre,
denen
geniale
Bildhauer
vor
dreitausend
Jahren
die
Köpfe
finsterer,
bärtiger
Männer
in
Stein
gemeißelt
hatten,
würden
sogar
meine
Statur
in
den
Schatten
stellen.
Das
meinte
ein
Opa,
der
an
einem
warmen
und
sonnigen
Sonntagvormittag
mit
seinem
Enkel
auf
dem
Fahrradweg
unterwegs
war.
Beide
hatten
schon
öfters
vor
mir
gestanden;
einmal
war
auch
die
Oma
des
Kleinen
dabei
gewesen.
Ich
meinte,
sie
gehörten
schon
längst
zu
meinem
Stammpublikum.
Wenn
mich
meine
Erinnerung
nicht trog, hatte ich sie bereits wenige Tage nach meiner Bewusstwerdung wahrgenommen.
Ich
vermutete,
dass
der
Bub
und
sein
Opa
an
diesem
Sonntag
nach
der
Messe
und
vor
dem
Mittagessen
schnell
einen
Abstecher
zu
mir
machen
wollten.
Auch
dieses
Mal
sah
ich
diesem
Dreikäsehoch
an,
dass
er
sich
freute.
In
seinem
Gesicht
spielte
ein
Lächeln
von
großem
Liebreiz
und
Eifer;
es
war
eine
Mimik
der
Verzückung
und
Liebe.
Auch
vermisse
man,
fuhr
der
Opa
fort,
an
den
Stier-Monumenten
im
Louvre
die
friedfertige
und
brave
Natur
dieses
Stieres
hier.
Es
käme
einem
Wunder
gleich,
wenn
der
Zweck
der
Mischwesen
im
Louvre
nicht
pure
Propaganda
für
die
assyrischen Könige gewesen wäre.
Könne
man
sich
so
ähnlich
auch
den
Minotaurus
vorstellen,
den
Theseus
besiegte,
fragte
der
Enkel
an
seiner
Seite.
»Ich
denke
schon«,
meinte
der
Opa
und
sah
auf
die
Uhr.
»Bub,
ich
glaub,
wir
müssen
uns
wieder
auf
den
Heimweg
machen,
sonst
macht
sich
die
Oma
Sorgen.
Sie
mag
es
gar nicht, wenn wir zu spät zum Mittagessen kommen.«
»Aber der Stier ist so schön, Opa!«, flehte der Blondschopf.