Parzivals Wiedergeburt - neuer Titel: Stromausfall - Entwicklungsroman
Roman 2012; 292 Seiten - Textumfang ca. 85.000 Wörter
Zeit und Orte: 1977-1996, New York, Bonn, Köln, Erlangen, Nürnberg, Hohenfels, Parsberg, Abenberg, Wolframs-Eschenbach
Gerhard Breitbarth Verlag, Regensburg; ISBN 978-3-9435-6419-8; Buch - 14,95 €
ISBN 978-3-9435-6418-1: ePub - eBook-Reader - 8,95 €
Wegen der Geschäftsauflösung des Gerhard Breitbarth Verlags im September 2013 ist der Roman “Parzivals Wiedergeburt” als
Verlagsausgabe vergriffen. Er liegt nun als Eigendruck des Autors in Buchform vor; 8,00 €
Überarbeitung des Textes sowie Neugestaltung des Buchäußeren: Oktober 2016
Der Roman kann entweder beim Autor vor Ort bezogen oder bei ihm bestellt werden - Versand vom Autor mit
Portoaufschlag.
Zum Inhalt
Parzival, geboren in New York, teilt dort mit seinem Vater und dem kauzigen Bird eine bescheidene Wohnung. Parzival ist in
Florence, seine ehemalige Lehrerin, verliebt, die aber seine Liebe nicht erwidert. Dennoch verbindet beide eine enge Freundschaft,
wenn nicht gar eine Seelenverwandtschaft. In jedem Fall haben sie eine einzigartige intellektuelle Beziehung. Es ist eine Beziehung
zwischen Erwachsenen. Parzival holte bei Florence seinen Schulabschluss nach, den er als Kind und Jugendlicher versäumt hatte.
Sie lernte von ihm, der mit Deutsch und Amerikanisch aufwuchs, die deutsche Sprache.
Parzivals außergewöhnlichem Unternehmen, das seinen gesellschaftlichen Aufstieg einläuten sollte, bleibt der Erfolg versagt. Dieser
wäre gleichbedeutend mit Florence´ ganzer Liebe gewesen, glaubt er. Als er mit leeren Händen vor ihr steht, fällt in New York der
Strom aus. Beide wollen dem Verhängnisvollen dieser Nacht entrinnen. Parzival fürchtet eine Strafverfolgung, flieht. Er tritt in die
Army ein und macht dort Karriere.
Ohne von einander zu wissen, verschlägt es sie nach Deutschland. Sie gründet dort eine Familie, genauso er. Ihre ahnungslosen
Kinder besuchen dieselbe Schule und verlieben sich ineinander. Auf einem Fest spürt Florence, in wen sich ihre Tochter verliebte.
Sie fordert das Ende dieser Beziehung, nennt aber zunächst nicht den Grund. Von da an schlittert ihr Leben in die Krise.
In Wolframs-Eschenbach sucht Parzival nach den Spuren seiner deutschen Mutter. Der Zufall führt ihn in Wolframs Museum, wo er
auf Florence trifft, die sich auf einer Klassenfahrt befindet. Ehe sie dort einander gewahr werden, rezitiert sie vor ihren Schülern
Wolfram von Eschenbachs Parzival versäumte Frage an Amfortas: "hêrre, wie stêt iwer nôt?" Florence und Parzival fehlen die
Worte, obwohl sie eine Aussprache herbeisehnen
Der Leser Dr. Joachim Balsliemke schreibt über den Parzival:
Der Titel des Romans lässt wegen der Bezugnahme auf die hochmittelalterliche Parzival-Dichtung an eine überwiegend
intellektuelle und schwer verdauliche Kost denken. Stattdessen handelt es sich um einen sehr spannenden und emotional
bewegenden Roman. Das Schicksal des Protagonisten bewegt sich, ausgehend von den Schlüsselereignissen während des
Blackouts in New York im Jahr 1977, bis in das Deutschland der Gegenwart. Die Handlung ist eingewoben in ein menschliches
Dauerthema: Schuld und Vergebung von Schuld, sowohl in einem personalen als auch in einem gesellschaftlichen Kontext.
Am Ende des Romans steht eigentlich eher ein Happyend als ein Unhappyend. Andererseits stimmen der Schluss und die
Auflösung der personellen Verwicklungen auch nachdenklich. "Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren
Schuldigern" heißt es. Dass das Erkennen und Vergeben von Schuld nicht nur ein christlich moralischer Imperativ ist, sondern für
die beteiligten Personen auch befreiend sein kann, wird in der Zuspitzung der Geschehnisse deutlich. Schuldig werden, sich selbst
suchen und eine Entwicklung durchleben von Selbstbezogenheit zu stärkerer Empathiefähigkeit, in diesem Sinne handelt es sich
bei dem Protagonisten um einen Parzival und um die Wiedergeburt eines zeitlosen Lebensmotivs. Es ist ein gelungener Roman,
der neben geistiger Anregung auch Lesevergnügen gewährleistet.
Der Leser Ralf schreibt über den Parzival:
Als ich durch meine Freundin in eine Vorlesung zu diesem Buch kam, war ich zunächst skeptisch, da ich zunächst nur von den
komplexen geschichtlichen Zusammenhängen erfuhr, welche mich eher abschreckten und mich befürchten ließen, hierbei handelt
es sich um einen sehr trockenen Roman. Jedoch wurde ich in allen Belangen eines Besseren belehrt, da die Lesung sehr
kurzweilig war und die anschließende Lektüre ebenso, was dadurch bewiesen wurde, dass ich das Buch innerhalb von drei Tagen
las. Regensburger hat es mit diesem Buch geschafft, mich sehr gut zu unterhalten und mir auch vieles beigebracht. Ob dies nun
die liebevoll beschriebene Bonbonherstellung ist oder eben eine Reihe von geschichtlich durchaus interessanten
Zusammenhängen. Einzig zu bemängeln wäre die vorweg verfasste Inhaltsangabe, welche ein wenig das Unvorhersehende
vorhersehen lässt. Es gibt jedoch trotz alledem ein sehr spannendes wie bedrückendes Ende. Alles in allem also ein sehr
lesenswertes Buch, das Freude auf mehr macht.
Der Leser Dr. Bernd Adam schreibt über den Parzival:
Ich staune über den weiten Bogen der Handlung, den der Autor in diesem großen Roman schlägt. Sie beginnt 1977 in
New York-Harlem, führt im Laufe der Zeit unter anderem nach Nürnberg und endet zwei Jahrzehnte später in
Wolframs-Eschenbach und Abenberg.
Vor allem in den letzten Kapiteln steckt unaufdringlich und anregend zugleich viel Lokalkolorit, das zum eigenen Nachspüren in der
Realität anregt. Nicht alles, was ich las, vermochte bei mir Türen zu öffnen – dazu sind mir manche Gedanken inzwischen zu fremd
geworden, etwa solche, die im hitzigen Gespräch von Jugendlichen geäußert werden oder in der von Alkohol befeuerten
Diskussion Erwachsener, die sich über politische Geschehen in Vergangenheit und Gegenwart und dessen Bewertung streiten. An
solchen Stellen habe ich etwas schneller, auch mal diagonal gelesen. Aber zu vielem, auch zu vielen psychologischen
Überlegungen, die selten theoretisch und meist lebensnah formuliert sind, konnte ich eine Tür finden, und ich denke, Hans
Regensburger legte mit „Parzivals Wiedergeburt“ einen wirklich bemerkenswerten Roman vor. Immer wieder ließ ich mich vom
streckenweise rasanten Handlungsverlauf und von der Liebe des Autors zum psychologischen Detail mitnehmen. Dass mir dieser
Roman zugänglich wurde, dafür bin ich dankbar!
Leseprobe
Aus Kapitel 1, Teil I
Im Dampf- und Glutsommer 1977 mögen die New Yorker in ihrer Erfahrung Trost gefunden haben, dass selbst die Tage der
gnadenlosesten Schwüle und Hitze gezählt sind. Trotzdem, so schien es, trugen sie in diesen argen Brenn- und Schwitzwochen
ihre Bilder und Andenken von einer kühleren Atmosphäre und von einem belebenden Regen sang- und klanglos zu Grabe.
Man
war
zufrieden,
wenn
die
Hitze,
die
scheinbar
unerschütterlich
auf
den
Straßen
und
Plätzen
lastete,
nicht
jede
atlantische
Brise fraß oder vor die Küste verbannte.
In
Manhattan,
Queens
und
manch
anderen
Gebieten
der
großen
Stadt
mochte
man
sich
glücklich
schätzen,
das
Meer
vor
der
Haustür
zu
haben
und
man
konnte
vielleicht
auch
für
jene
Mitleid
aufbringen,
die
weiter
landeinwärts
zu
leben
hatten.
Wohl
wissend, dass es an solchen Tagen dort nichts als Sonne, nichts als Hitze, nicht den zaghaftesten Windhauch gab.
Daran
verschwendete
man
in
der
Bronx
keinen
Gedanken.
Wer
sollte
an
der
Besonderheit,
in
einer
Stadt
am
Nordatlantik
zu
leben,
einen
Vorzug
erkennen?
Es
konnte
nicht
sein,
dass
sich
allein
die
Meereswinde
nicht
gegen
sie
verschworen
hatten.
War
man
jenseits
der
Dreißig,
stieß
die
Klage,
die
gesamte
Welt,
auch
Gott,
stünde
gegen
einen,
nie
auf
ein
Kopfschütteln.
Wohl
oder
übel
hatte
man
löchrige
und
verschmutzte
Straßen,
von
Müll
übersäte
Gehsteige
und
Wege,
verfallene
Gebäude,
schäbige
Wohnblocks,
herumlungernde
Schlägertypen,
Gauner,
schräge
Vögel
zu
erdulden.
Man
machte,
wenn
es
die
Zeit
erlaubte,
um
all
das
einen
großen
Bogen.
Selbst
bei
angenehmerem
Wetter
konnte
das
jedermanns
Nerven
strapazieren.
Die
Hitze
aber
schien
die
Alltagslasten
zu
verdoppeln.
An
solchen
Hundstagen
konnten
die
Leute
den
Anbruch
des
Abends
gar
nicht
mehr
erwarten.
Denn
von da an war die Nacht nicht mehr weit. Was gehen konnte, kam nach draußen.
An
fast
jeder
Stelle,
die
dafür
geeignet
erschien,
wurde
Basketball
gespielt.
Die
Bemerkungen,
Redensarten
der
jungen
Spieler
legten
die
Vermutung
nahe,
dass
sie
in
ihren
Köpfen
eine
Zeitreise
in
die
Zukunft
unternahmen.
Dort
spielten
sie
nicht
auf
der
Straße,
sondern
in
den
großen
Sportarenen
Amerikas.
Umjubelt
und
geliebt
von
ihren
Fans;
fürstlich
entlohnt
von
den
Eigentümern ihrer Clubs und umworben von den Präsidenten anderer Clubs.
Unweit
von
einer
Haltestelle
der
Untergrundbahn,
wo
der
Kundige
noch
nicht
das
Wort
Teufelsküche
in
den
Mund
nehmen
wollte,
aber
bereits
ungeniert
von
einem
Getto
sprach,
hatten
basketballverrückte
Erwachsene
für
ihre
Sprösslinge
einen
Korb
befestigt.
Auch
wenn
an
dieser
Stelle
fast
nichts
an
ein
richtiges
Spielfeld
erinnerte,
die
Höhe
des
Korbs
sollte
nicht
einen
Fingerbreit
von
jener
im
Madison
Square
Garden
abweichen.
Dieses
ausgelaugte,
fransige
Geflecht
zog
die
Jungs
aus
der
Umgebung
in
seinen
Bann.
Und
keiner
von
ihnen
fluchte
über
den
frostnarbigen,
welligen
Asphalt,
über
den
sie
zu
federn
schienen. Wie die Regeln des Spiels waren diese Unebenheiten den Spielern in Fleisch und Blut übergegangen.
Der Enge und dem Mief der Subway entronnen, hatte Parzival Arthur Milton stets dort seinen Heimweg unterbrochen, auch
dann, wenn er lieber in seinen Gedanken geblieben wäre. Sobald er in die Reichweite ihres besten Distanzwerfers gekommen war,
flog ihm ihr Ball entgegen. Und Parzival dribbelte, täuschte, passte, vollendete.
Aus Kapitel 11, Teil II
Nora und Ralph hatten sich, nachdem sie wieder aus Amerika zurückgekehrt war, täglich zum Baden oder Eisessen verabredet.
Nur an zwei Tagen wurde sie, wie die Jahre zuvor, von ihren Eltern zur Vorbereitung des Sommernachtsfestes gebraucht.
Am
Freitag
war
großer
Einkauf,
am
Samstag
hatte
man
im
Haus
und
Garten
zu
tun.
Man
scheute
keine
Kosten
und
wollte
die
Gäste
genauso
verwöhnen,
wie
man
auf
deren
Feste
verwöhnt
wurde.
Doch
die
Spezialität,
die
bislang
unkopiert
geblieben
war,
durfte auch bei dieser Party nicht fehlen.
Kaum
hatte
Gunther
die
Befürchtung
beschworen:
»Ihnen
wird
doch
nicht
ausgerechnet
heuer
etwas
dazwischen
gekommen
sein?«,
rollte
ein
schwerer
Mercedes
auf
die
Garagenzufahrt.
»Helmut
und
Hilde,
endlich!«
Gunther
eilte
hinaus.
Noch
ehe
die
Ankömmlinge
ausgestiegen
waren,
bewunderte
er
das
neue
Auto.
Helmut
Wolf,
ein
gelassener
und
selbstbewusster
Mittfünfziger,
meinte,
Gunther
möge
die
Kirche
im
Dorf
lassen,
denn
auch
dieses
funkelnagelneue
und
sündhaft
teure
Auto
würde
eines
Tages
genauso
beim
Schrotthändler
enden
wie
der
billigste
und
unansehnlichste
Ausländer.
Doch
zuerst
wolle
er
Grüß
Gott
sagen;
er
hoffe,
alles
sei
wie
immer
in
bester
Ordnung.
Die
Kinder
genössen
den
Rest
der
Ferien
und
des
Betriebsurlaubs
lieber
zu
Hause
mit
ihren
Freunden.
Unser
Markus
wolle
heuer
erst
einen
Tag
vor
Schulbeginn
mit
dem
Zug
anreisen.
Florence
und
Hilde
strahlten
sich
an.
Ihrem
Händedruck
folgen
Wangenküsschen
links
und
rechts.
»Gut
siehst
du
aus,
Hilde,
richtig
gut!
Wie
schick
deine
Bluse
ist
–
wo
hast
du
sie
gekauft?«,
sagte
Florence
nachdem
sie
und
Hilde
sich
umarmt
hatten
und
diese
antwortete:
»Und
du
umwerfend
wie
immer;
schön
dich
zu
sehn,
Florence.
Mit
welcher
Garderobe
wirst
du
uns
heut
Abend
überraschen?«
Beide
lachten
übers
ganze
Gesicht.
Nora
kam
hinzu.
Flugs
deckte
sie
einen
Gartentisch
und
schenkte
Kaffee
ein.
Man
plauderte,
scherzte,
erzählte
Witze,
lachte.
Nichts
als
heitere
Gesichter,
nichts
als
gute
Laune.
Dann
machte
Helmut
Wolf
beinahe
überfallartig
der
Unterhaltung
den
Garaus.
»Wenn
man
auch
heuer
die
besten
Fränkischen
Bratwürste
der
Welt
auf
dem
Grill
haben möchte, dann kann es bei aller Freundschaft nicht so weitergehen«, witzelte er. Alle lachten.
Wie
von
magischen
Kräften
gehoben,
schwenkte
der
Kofferraumdeckel
in
die
Höhe.
Helmut
Wolf
pries
die
Güte
der
Waren,
die
sich
im
Kofferraum
befanden.
Seine
Art
zu
reden
und
zu
gestikulieren,
machte
seine
Aussagen
unangreifbar.
Weit
holte
er
aus.
Bass
und
fränkischer
Zungenschlag
walzten
breit
dahin.
In
den
Kühlboxen
sei
schlachtfrisches
Schweinefleisch
der
höchsten
Qualitätsstufe.
Deswegen
habe
gestern
Nachmittag
ein
Schwein
sein
Leben
lassen
müssen
–
das
glückliche
Schwein
der
Oberpfälzer
Bauersleute
Regina
und
Erwin
Mauderer.
Für
diese
lege
er
seine
Hand
ins
Feuer.
Dieses
Tier
sei
langsam
herangereift; es habe nur bestes Futter genossen, das frei von Spritzmitteln und Medikamenten gewesen sei.
Ehe
die
Männer
anpackten,
die
Kühlboxen
mit
dem
Fleisch,
den
Karton
mit
den
Gewürzen,
den
Därmen,
den
Fleischwolf
und,
und, und in den Keller zu bringen, deutete Helmut Wolf auf das Bier und den Wein. Gestenreich kam er darauf zu sprechen.
Aus Kapitel 19, Teil III
Der Bus erreichte sein Ziel. Man drängte ins Freie, befand sich auf dem Parkplatz, strebte ins Herz von Wolframs-Eschenbach,
ging dort zum Wolfram-von-Eschenbach-Platz, zu Wolfram selbst, zu dessen Museum und Monument. Overesch scharte die
Kollegen um sich, deutete auf den in Bronze gegossenen Dichter. Ob sie nun Cargohosen oder enge Jeans anhatten, T-Shirts,
Tops oder luftige Sommerkleider, alle betrachteten ihn, gingen um ihn herum. Einige von ihnen lehnten sich an den Brunnen, den
ein Sockel umfing, und griffen ins kühle Nass. »Tolles Wetter erwischt«, meinte Overesch mit Blick auf Wolframs
lorbeerbekränztes Haupt.
»Kaiserwetter«, unterstrich Tonner, der anstelle von Graim ins Kollegium gekommen war, damals vor einem Jahr.
»Heiß wird´s werden«, so Florence´ Prognose.
»Für einen Schulausflug gerade recht«, meinte Kuhn.
»Ist nun das Denkmal älter oder der, den es vorgibt darzustellen?«, witzelte Newperry. Man lachte.
»Seid
ihr
Briten
uns
diese
Art
Humor
auf
Schritt
und
Tritt
schuldig?«,
sagte
ein
anderer.
Seine
Pikiertheit
war
nicht
zu
überhören.
»Auch nicht von schlechten Eltern«, bewies Overesch Schlagfertigkeit und grinste.
Vor
dem
Museum
Trauben
von
Schülern.
Eine
bunte,
putzmuntere
Schar.
Über
dem
Lärmpegel
Gekicher,
Gelächter,
ab
und
zu
ein
Pfiff,
Rufe.
Hantieren
an
Rucksäcken.
Man
aß,
trank,
schob
sich
einen
Kaugummi
in
den
Mund;
unter
den
Älteren
sah
man
nicht selten eine Zigarette zwischen den Lippen hängen.
Overesch
klatschte
in
die
Hände.
Damit
verschaffte
er
sich
Gehör.
Dann
seine
Aufforderung,
die
Klassen
mögen
sich
bei
ihren
Lehrern
oder
Lehrerinnen
sammeln.
»Wird´s
bald?
Zigaretten
aus
im
Museum!
Verstanden?«
Einige
Dutzend
Schritte
davon
entfernt
eine
Handvoll
Leute.
Ausnahmslos
Erwachsene
jenseits
der
Vierzig.
Eine
Bedienstete
des
Museums
bat
sie,
man
möge
an
der
Kasse
auf
sie
warten.
Dort
gab
sie
ihnen
mit
auf
den
Weg:
»Bis
der
große
Ansturm
kommt,
wird
Ihre
Multimediavorführung
zu Ende sein. Lassen Sie sich bei der Besichtigung des Museums ruhig Zeit; es wäre sonst schade …!«
Das
Video
begann
von
vorne.
Florence´
ließ
sich
Zeit,
viel
Zeit.
Damit
strapazierte
sie
die
Geduld
ihrer
Klassen,
das
war
weder
zu
überhören
noch
zu
übersehen.
Als
Florence
den
Eindruck
gewonnen
hatte,
dass
sich
in
den
zehn
Räumen
des
Museums
nun
niemand mehr auf die Füße steigen konnte, führte sie die Mädchen und Jungens hinauf ins erste Stockwerk.
Auch dort sagte sie der Eile den Kampf an. Im fünften Raum, wo der Dreh- und Angelpunkt der Parzivaldichtung gezeigt wurde,
wollte sie so lange mit dem Beginn ihrer Erläuterungen warten, bis ihre Schülerinnen und Schüler ein einminütiges Schweigen
unter Beweis gestellt hatten. Endlich war sie zufrieden. Dann zeigte Florence auf ein Graffiti, fixierte es und fragte, ohne es aus
den Augen zu lassen: »Könnt ihr das jetzt sehen?« Dann rezitierte sie: »hêrre, wie stêt iwer nôt?« Daran schloss sie Betrachtungen
an. Die Mädchen und Jungens ahnten, dass zu diesem Thema jene Fragen, die nur sie stellen konnte und worauf nur sie die
Antworten wusste, nicht mehr lange auf sich warten ließen. Sie hielt inne. Obwohl die meisten der jungen Leute nicht auf ihren
Vortrag achteten, entging ihnen nicht, dass ihre Lehrerin einen Gedanken nicht zu Ende gebracht hatte. Florence war in ein
Schweigen verfallen. Sie stand wie erstarrt da.